Frühlingsbrief 2025

Liebe Freundinnen und Freude, liebe Förderinnen und Förderer der Kinder von Mathare,

16 Tage in Kenia liegen hinter mir. Es war eine eindrückliche Zeit, die mich sehr berührt, bereichert und ungemein motiviert hat, mich weiterhin mit unserem Verein für die Kinder im Slum Mathare in Nairobi einzusetzen.
Ich hatte mir nach meiner Anreise vorgenommen, morgens bei den ersten und abends bei den letzten zu sein, die in die Schule kommen bzw. die Schule verlassen. Das war nicht so leicht, denn zum einen leben 16 Waisenkinder und unsere Erzieherin, die gleichzeitig Köchin ist, in der Schule. Aber auch die Kinder, die zu Hause kein Frühstück erhalten und einige Lehrkräfte kommen sehr früh, manche schon ab 5 Uhr, und sie gehen spät, manche erst um 20 Uhr. Die lange Zeitspanne in der Schule ist abwechslungsreich – trotz der sehr beengten Verhältnisse. Die Kinder waschen sich, frühstücken, putzen und helfen beim Abwasch, dann schmökern sie in Büchern, bevor der Unterricht um 8 Uhr mit der gemeinsamen Zusammenkunft vor der Schule beginnt.

Dort singen sie und stimmen sich auf den Schultag ein. Es folgt der Unterricht – konzentriert, freudig, wertschätzend. Als besonders schönes Ritual habe ich mitgenommen, dass die Kinder sich oft selbst beglückwünschen dürfen, wenn sie eine Aufgabe gemeistert haben: Sie klopfen sich dabei selbst auf beide Schultern, die Arme halten sie vor dem Körper über Kreuz.  „Clap for yourself“ ist die Aufforderung und sie klatschen los, lachen und freuen sich.

Der Umgang miteinander ist überaus freundlich und hilfsbereit. Die Kinder sitzen dicht an dicht, die Tische haben nur eine Tiefe von 20 cm, sonst würden die vielen Kinder nicht in den Raum passen. Und doch ist der Unterricht bewegt: mit Sing- und Klatschspielen und mit Polonaisen durch den engen Gang, der einmal um alle Klassenzimmer führt. Die Lehrkräfte haben ein gut aufeinander abgestimmtes System entwickelt, das es jeder Klasse erlaubt, diese Bewegungspausen zu gestalten. Mit einer solchen Polonaise wird auch das Mittagessen, der Nachmittagstee und das Abendessen eingeläutet.

Als ich nacheinander in den Klassen war, Unterrichtsstunden miterlebte und Gespräche führte, war ich sehr berührt von verschiedenen Beobachtungen: So etwa die selbstverständliche und freundliche Rücksichtnahme, ohne die der Unterricht in den kleinen Klassenräumen gar nicht möglich wäre. Berührt haben mich auch die Lebensträume der Kinder: Sehr viele wollen Lehrerinnen und Lehrer, Ärztinnen und Ärzte oder Krankenschwestern bzw. Pfleger werden, da es ihnen wichtig ist, anderen Menschen zu helfen.

Mir gegenüber bewiesen sie auch Hilfsbereitschaft: Mein Lieblingsunterricht war Kisuaheli, die Landessprache Kenias, die die Kinder zu Hause sprechen, bevor sie in der Schule Englisch lernen. Sie achteten darauf, ob ich auch die Wörter richtig mitbekommen und aufgeschrieben hatte und halfen mir, wenn ich etwas nicht gleich verstanden hatte. Am Ende hatte ich einen Test zu absolvieren. Auch wenn nicht alles sofort in meinem Kopf gefestigt war, applaudierten sie und beglückwünschten mich. 

Unsere Lehrkräfte sind Gold wert, sie sind ein echtes Phänomen. Den ganzen Tag verbringen sie in der Schule, sind frohgemut und motivieren die Kinder ungemein. Unsere Lehrkräfte ha-ben mittlerweile alle einen staatlich anerkannten Abschluss, den unsere Kooperation mit dem KCITI College in Nairobi ermöglicht hat.

Dorthin konnten wir nacheinander alle Lehrenden für die Ausbildung entsenden, die sie mit neuen Ideen und Kompetenzen abgeschlossen haben.

Manche spendenbasierten Schulen wurden nämlich schon von einem auf den anderen Tag geschlossen, weil sie keine ausgebildeten Lehrkräfte hatten und darum auch die Schule keine staatliche Anerkennung erhalten konnte. Unsere staatliche Anerkennung haben wir gesichert. Für alle ist die Schule ein Lebensraum, an dem sie sich wohlfühlen: Ein kleines Paradies inmitten des großen Elendes im Slum Mathare.

Aus Rücksicht und Respekt habe ich kaum ein Foto von den Verhältnissen im Slum bzw. von einzelnen Hütten der Familien aufgenommen, weil dies kränkend wirken kann. Es ist für mich unvorstellbar, wie eine Familie ohne Wasser und Strom zu fünft in einem 8 qm kleinen Raum leben kann, in den es in der Regenzeit auch noch hineinregnet. Kein Wunder, dass sich viele Krankheiten rasend schnell ausbreiten und die Lebenserwartung der Menschen dort gering ist. Es war für mich berührend zu erleben, wie die Menschen dennoch jeden Tag feiern, an dem sie aufwachen und den sie gestalten können. Die Eltern sind unserem Verein sehr dankbar. Letztlich sichern wir durch die Fürsorge für die Kinder auch das Überleben der Familien. Die Eltern wünschen sich nichts sehnlicher, als dass ihre Kinder eine bessere Zukunft haben und nicht mehr im Slum leben müssen.

Das bedeutet jedoch, dass wir auch einen Blick auf die weitere Bildung werfen müssen.

Bislang haben wir manche Kinder, die aus unserer Schule nach Klasse 6 ausscheiden, weiterfördern können. Dies war und ist durch Patenschaften möglich. Wer nach unserer Grundschule drei Jahre lang auf die Junior Secondary School geht, muss derzeit  ein Schulgeld von umgerechnet ca. 20 Euro im Monat aufbringen, in diesem Betrag ist schon alles enthalten: Geld für die  Schulkleidung, das Essen an der Schule und die Arbeitsmittel, außerdem ist darin ein Puffer einkalkuliert, falls die Inflation stärker als gedacht ausfällt oder unvorhergesehene Aufgaben anstehen. Auch die Prüfungsgebühren sind inkludiert.

Diese ca. 20 Euro pro Schülerin und Schüler können wir als Verein nicht aus unseren laufenden Spendeneinnahmen decken. Jedoch betreuen wir sehr gerne Patenschaften. Im Falle einer Förderung besuchen diese Schülerinnen und Schüler dann regelmäßig unsere Grundschule, berichten von den Erfahrungen, tauschen sich aus und schreiben Briefe an ihre Patinnen und Paten. Unser Lehrerkollegium kümmert sich um die Kinder in weiterführenden Schulen und unser Schulleiter regelt alle organisatorischen Maßnahmen.

Wenn Sie jemanden kennen, der oder die eine solche Patenschaft übernehmen möchte oder falls Sie selbst eine Patenschaft für ein älteres Kind übernehmen wollen, seien sie herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden.

Abschließend möchte ich betonen: Ich bin sehr dankbar, dass es durch Sie möglich ist, derzeit insgesamt rund 200 Kindern und Jugendlichen eine grundlegende Bildung, Freude am Leben und Perspektiven für ihre Zukunft eröffnen zu können. Auch unser Lehrerkollegium bedankt sich für die Möglichkeit, an dieser Schule unterrichten zu dürfen. Für die Familien und den ge-samten Slum Mathare leisten wir darüber hinaus wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe.
Mit dieser Perspektive voller Hoffnung wünsche ich Ihnen allen im Namen des gesamten Teams „Children of Mathare e.V.“ einen schönen Frühling und ein gesegnetes Osterfest.

Ihre Petra Freudenberger-Lötz (Vorsitzende von Children of Mathare e. V.)

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